Gewalt ist eine Lösung. Literatur!

Morgens Polizist, abends Hooligan.
Mein geheimes Doppelleben.

Das ist nicht mein Leben und auch nicht meine Losung (siehe Titel), sondern die von Stefan Schubert, in seiner Autobiografie „Gewalt ist eine Lösung“.Stefan Schubert erzählt in dem Buch Geschichten aus seinen Leben. Geschichten in zeitlicher Abfolge, die von der Gewalt erzählen, die Schubert zu dem geführt haben was er wurde. Zu einem Täter. Und eben als Täter kommt er zu der Einsicht, dass Gewalt eben doch eine Lösung sei.

Eins sei vorweggenommen: Meiner Ansicht nach bleibt er mit dieser Meinung allein. Auch wenn er in seinem Buch versucht diese Ansicht zu begründen. So ist es doch fraglich, wenn sich seiner Ansicht nach erwachsene Menschen erst dann respektvoll gegenübertreten, wenn sie sich  zuvor halb tot geprügelt haben. Diese Art der Gewalt, beginnend in der frühesten Jugend, zieht sich schonungslos durch das Buch.

Nach ersten Konflikten mit türkischen Jugendlichen kam Schubert zu der Einsicht

Es musste endlich etwas geschehen – und es sollte etwas geschehen. Wir mussten uns rüsten.

Durch die ersten Erfolge in Schlägereien gewann Schubert Spaß am Prügeln und geriet so schließlich in das Umfeld der Blue Army Bielefeld, Anfang der 90er Jahre eine organisierte Gruppe von Fußball-Schlägern. Dort machte Schubert Karriere und stieg in den inneren Zirkel der Hooligans auf.

Parallel begann Schubert eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz. Auch dort verstrickte er sich immer wieder in gewalttätige Auseinandersetzungen. Interessant, dass dort bei der Bundespolizei wohl folgendes Motto galt:

Handeln Sie sich keine Anzeige ein.[…] Wenn Sie schon glauben, sich prügeln zu müssen, dann gewinnen Sie wenigstens!

Dem Motto ist Schubert dann in seinem weiteren Leben oder zumindest in den Geschichten seines Buches gefolgt. Niederlagen gab es eigentlich keine und Anzeigen auch erst nach vielen Jahren der Gewalt. Schuld daran, war die Ignoranz oder auch ein absichtliches Wegschauen der Verantwortlichen bei der Polizei. So gelang es Schubert, seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen.

Letztendlich wurde ihm erst dieser Bericht des WDR aus dem Jahre 1996 zum Verhängnis

(Notiz am Rand: Zufälliger Weise war dieses das letzte Zweitligaspiel von Hannover 96 vor dem Abstieg in die dritte Liga. Ausgerechnet zum 100jährigen bestehen im Jahr 1996.)

Nachdem der Stein ins Rollen kam, folgten weitere Anzeigen und letztendlich der Ausschluss aus dem Polizeidienst. Dieses führte zum Ende der zwei Karrieren des Polizisten und Hooligans Stefan Schubert.

Durch das Buch zieht sich ein Pfad der Gewalt, die zum Teil bis ins Detail beschrieben wird. Reue? Keine. Da wird beschrieben, wie Menschen zu Brei geschlagen wurden, einfach nur wegen verletzten Stolzes oder einer irrigen Befriedigung der Hooligans folgend. Immer hart und schonungslos. Mulmig macht dabei das Wissen, dass es keine erfundenen Geschichten sind die man da ließt, sondern die Personen, auf beiden Seiten der zahlreichen Auseinandersetzungen, tatsächlich gab. Es bietet aber auch einen interessanten Einblick in die Psyche eines Hooligans. Die zum großen Teil aus Stolz, Ehre, Stärke besteht. Weiterhin bietet es interessante Innenansichten aus der Welt der Hooligans und ihres Antriebs.

Eine Psyche die scheinbar bis heute einen ordentlichen Rest von damals bewahrt hat. Wieder die Frage nach Reue? Hört man eigentlich nicht raus. Fehler? Der einzige Fehler war der, der zur letztendlichen Aufdeckung des Doppellebens geführt hat. Aber vielleicht wäre zu viel Reue auch einfach unglaubwürdig. Stefan Schubert steht zu seiner Art zu leben von damals. Was er auch kann, wo er doch heute scheinbar einem geregelten Leben nachgeht.

So erzählt das Buch auch von einer Zeit, die wahrscheinlich die absolute Hochzeit der Fußball-Randale war. Wer damals schon zum Fußball ging, vielleicht in einem ähnlichen Alter war, für den bietet das Buch aber auch ein wenig Nostalgie, ein wenig Rückblick auf die ach so schönen vergangenen Tage.

Wer also ein bisschen über die Welt, das Lebensgefühl und die Beweggründe der Hooligans der 1990er Jahre erfahren will, dem sei dieses Buch absolut empfohlen. Trotz der Gewalt, fesselt es und macht neugierig darauf weiterzulesen, um mehr zu erfahren, aber nicht zuletzt auch wegen des skandalösen und irgendwie absurden Doppellebens des Polizisten und Hooligans.

Vielleicht noch ein Kritikpunkt: Stolz, Ehre, Stärke? Diese Eigenschaften scheinen bis heute zu bestehen, denn in den beschriebenen Auseinandersetzungen gab es immer einen Sieger: den Protagonisten mit seinen „Jungs“.

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Erstellt am: 24. März 2010
Aktualisiert am 25. März 2010

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Ein Kommentar

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