Gibt es einen Fußball-Gott?
Bisher war er ja auffällig oft auf Seiten der Italiener. Logisch. Hat doch Petrus dort seine Kirche auf dem Fels gebaut. Aber zu wem hält er jetzt? Vor so manchem Spiel entsteht ja geradezu ein Wettbewerb um die Gunst Gottes. Wie oft werden Fußballer, ihre Trainer und Maskottchen sich bekreuzigen müssen, um zu gewinnen? Achtmal, haben wir gezählt, Kloppo, Günther und ich.

photo credit: Simba tango
Achtmal hat sich Diego Armando Maradona bekreuzigt bevor es losging. Sicher ist sicher. Dazu hält er während des Spiels einen Rosenkranz in der Hand und hat zwei identische Uhren, um jeden Arm eine. Gut, was letzteres mit Gott und Glauben zu tun hat, ist noch nicht geklärt. Vielleicht zeigt sich ja der Aberglaube, von dem Kloppo, RTL-Fußballexperte, nach dem letzten Spiel sprach: “…Maradona…bekreuzigt…ich habe achtmal gezählt…außerdem Rosenkranz…der Maradona ist seht abergläubisch…” Oder Kloppo ist einfach am richtigen Ort. Er kommentiert ja Fußball, nicht das Osterfest live vom Petersplatz.
Was sicher ist, ist das Argentinien sich und die Anzahl seiner Bekreuzigungen steigern muss, wenn es am Samstag gegen Deutschland geht. Denn der Fußballgott ist unser. Nach allgemeiner Meinung des Leitmediums BILD, dem man ja einen direkten Draht, selbst zu Gott nachsagt, sollten wir ihm danken. Nicht nur jeden Sonntag im Gottesdienst, wie es sich gehört, sondern jetzt auch ausnahmsweise am Montag:
Thank you, Fußball-Gott
Aber wo ist er, der Fußball-Gott? Das weiß, wie so oft, zu erst und exklusiv niemand anderes außer der Stern:
Mit dem Fußballgott, den es tatsächlich gibt, in der Tasche überstand die Mannschaft aber die kurze und heftige Drangphase der Engländer…
Aber in wessen Tasche ist er? Muss ja einer der elf Spieler der Startelf sein. Am dichtesten dran war ja der Manuel Neuer, am zwischenzeitlichen Ausgleichstor der Engländer. Nur der ist ja zwischen
Himmel und Hölle
unterwegs. So die Welt online. Also wird er den Fußball-Gott kaum in der Tasche haben.
Özil? Eher nicht. Seine Frendin, Frau Lagerbloom, geborene Schwester Connor, ist gerade zum Islam übergetreten, der Liebe wegen. Und da es nur einen Gott im Islam gibt, bleibt kein Platz für einen Fußballgott in der Tasche.
Da machte sich Sonntag gegen England (Endergebnis übrigens 4:1 in Worten: Germany Four England One) einer verdächtig, nämlich der, der derzeit auch göttlich spielt: Thomas Müller. Brav und Bescheiden, so mag ihn jeder leiden. Direkt nach dem Spiel dachte er nicht nur an sich, sondern auch an seine zwei Omas und den Opa. Und wo haben die Eltern Fußball geschaut? Richtig. Im Pfarrhaus in Pähl. Und wer hat das Bier spendiert? Richtig. Der Müller Thomas.
Und die letzten Zweifler werden überzeugt, wenn man mal, wie jeden Morgen, in das Calendarium Romanum Generale, den weltweit gültigen Rahmen des katholischen liturgischen Kalenders des römischen Ritus schaut. Was ist am 3. Juli? Richtig. Deutschland spielt gegen Argentinien. Und was noch? Auch richtig. Das Fest des heiligen Thomas.
Fußball spielt der Fußballgott jedenfalls auch. Und zwar beim TV Höfen 1921 e.V. Wer dann immer noch glaubt, der Fußball-Gott sei nur eine Täuschung, der schaue einfach mal beim Spreeblick nach. Das war eine Täuschung. Und ganz England ist darauf rein gefallen…
P.S.: Natürlich gibt es für 96-Fans nur einen wahren Fußballgott: Carsten Linke.
Erstellt am: 28. Juni 2010
Aktualisiert am 29. Juni 2010
Schlagwörter: 4:1, Carsten Linke, England, Müller, Nationalmannschaft

