Ich kauf Euch nichts mehr ab! Ein Drama.
Irgendwann ist der Plastikbecher voll. Da hilft auch kein 1-Liter-Modell.

Ich, als Fan, schlafe ja nicht auf dem Baum. Also nicht immer. Deshalb wird es Zeit für den “Lasse-mir-alles-auszahlen-Flash-Mob“. Kurz LMAA! Mach mit, mach nichts, am 07. November 2010.
Die letzten Jahre nahm ich hin, mit wenig Murren, was uns der Verein und die Liga unter dem Motto des modernen Fußballs so hinwarf:
- Stehplätze, auf denen man sich mit Fremden aneinander kuscheln muss.
(andere müssen dafür bezahlen, allerdings auch freiwillig) - Blasenfrei gezapftes Bier aus dem Plastikbecher zum Preis für wie auß’m Glas.
(Was nicht ganz stimmt. Die Maß kostet in der Arena nur 7,00 Euro. Auf der Wiesn in München mindestens 8,30 Euro. Also doch ein Schnäppchen in Hannover…) - Ein (gefühlt) seit Jahren das Selbe nicht witzige Pausenspielchen. Kegeln oder so, mit zum Größenteil schlappen Aufblas-Pullen (passt zum Bier) , bei dem immer eines der zwei Teams zu früh startet.
(Okay, letztes Jahr mag das ab und an spannender gewesen sein als das eigentliche Spiel.) - Eine dusselige Fanbox, in der Eltern ihre noch nicht fertig dressierten Kinder Stuss ugrölen lassen.
(no comment)
Das alles nahm ich hin, Spiel für Spiel, um Fußball zu gucken. Um 96 zu sehen. Siegen, verlieren. Glücklich, Unglücklich. Verdient, unverdient. Aber jetzt bin ich bedient. Und der Grund? Das Catering. So wird es genannt. Catering in der AWD-Arena. Früher hieß das mal Bier- und Bratwurst-Bude.
Und das kam so:
Ein Drama in drei Akten
Management-Summary: Euro Eure Bezahlkarten sind ein Gräuel! Niemand will die. Ihr zockt die Fans ab!
Der Prolog
Es war Freitag, es war Spieltag, es war abends, es war ausverkauft. Statt eines Vorbereitungsbiers außerhalb des Stadions, der Entschluss, ein Bier im Stadion zu trinken. Eher die Ausnahme denn die Regel. Aber als Demokrat heißt es beugen. Siehe Stuttgart. Ich erkläre, die logistische Aufgabe der Bierbeschaffung zu übernehmen. Selbstlos. Großzügig.
1. Akt
1. Szene:
(Niedersachsen-Stadion, provisorische Container, viele Menschen stehen geduldig an.)
Karte aufladen. Zuvor: Schlange stehen. Einer: Sch’lange da. Lacht. Wie viel Geld noch auf der Karte? Ist mir entfallen. Das Guthaben mehrerer Karten zusammen zählt nicht. Die Erfahrung ist schon gemacht. Also anstehen. Noch mehr als 30 Minuten bis zum Anpfiff. Eh nichts anderes zu tun. Gucke in die Luft. Hallo Hans.
Karte aufgeladen. Schon wieder vergessen, wie viel darauf ist.
2. Szene
(Niedersachsen-Stadion, Bierstand, viele Menschen stehen geduldig an.)
Nächste Schlange. Andere Menschen. Gute 20 Minuten bis zum Anpfiff. Entspannen. Vorprogramm interessiert eh nicht. Geht ja auch verdammt schnell alles, wegen Bezahlkarte. Das Warten ist allerdings gar nicht so langweilig. Habe ein paar alte Kumpels getroffen. Die wollen auch Bier kaufen. Reicht aber nicht für alle. Vier Karten, aber keine hat mehr die benötigten 4 Euro 80 Cent auf der Uhr. Ich schlage vor: Ich kaufe meine Getränke und vom Rest gebe ich das Bier aus. Vollmundiger als das Bier. Glück gehabt. Nach Begleichen meiner Rechnung: Guthaben 4,70 Euro. Kein Witz. Kein Bier. Einer muss dursten. Es fehlt ein Schlummergroschen. Fünf Bezahlkarten. Zusammen rund 20 Euro, keine Chance ein Bier zu kaufen. Unbezahlbar. Mir fällt ein Slogan ein. Für die Sales & Service GmbH. Kriegt ihr umsonst: Es gibt Dinge, die kann man kaufen. Für alles andere gibt es die AWD-Arena-Card. Mannschaftsaufstellung wird verkündet.
Kann im Gehen hören. Gleich wieder vergessen, wer spielt.
2. Akt
Auftritt Hannover 96
(Niedersachsen-Stadion, Stehplätze, eng, viele Menschen stehen geduldig an.)
Eng. Fremdes Fett. Nikotin. Spiel nicht erwähnenswert. St. Pauli besser. Eins null. Ab nach Hause. Denken die meisten.
Ergebnis leider nicht gleich wieder vergessen.
3. Akt
1. Szene
(Niedersachsen-Stadion, Pfandrückgabe, viele Menschen stehen geduldig an.)
Endlich mal wieder anstehen. Becher abgeben. Aus Pfandschlupf Schlummergroschen machen. Immer noch enttäuschter Blick ins Leere, bin dran, ging fix, dank Bezahlkarte. Stelle Becher auf den Tresen, lege Karte auf das Gerät. Höre Stimme. Bin wach. Der Becher ist kaputt, den nehmen wir nicht zurück. Blick ist nicht mehr leer, sondern fixiert. Sage: Doch, den nehmen Sie zurück. Pfand-Frau sagt: Der Becher ist kaputt, den nehmen wir nicht zurück. Muss an einen Pfandautomaten denken. Bitte jemand zur Leergutannahme. Geben Sie mir mal Ihren Chef. Habe ich neulich im Hotel gehört den Satz. Fand ich souverän. Chef ist Chefin, kann mir nicht helfen, kann nicht entscheiden. Oder nur gegen mich. Wiederhole meinen Satz. Geben Sie mir mal Ihren Chef. Nächste Instanz kommt nicht. Chefin, genervt, gibt mir eine E-Mail-Adresse: stadion@hcc.de. Denke: Man, das heißt Arena. Denke weiter: E-Mail lieber gleich an spam@hcc.de zu senden. Denke ans Hotel. Sage: Geben Sie mir mal Ihren Chef. Chefin telefoniert nochmals. Denke: Die setzt sich für Kunden ein. Dann kommen zwei Hauptschüler in Arena-Jacken mit Knopf im Ohr. Spielen Polizei, oder so. Kommen Sie mal mit, sie stören den Ablauf. Denke gar nichts mehr. Gehe nicht mit, habe generell Angst vor Männern mit Knopf im Ohr.
Wie viel ist jetzt bloß auf meiner Karte? Kaputten Becher vergessen. Ist ja jetzt meiner.
2. Szene
(Niedersachsen-Stadion, Toiletten, viele Menschen stehen geduldig an.)
Ich denke: Wie doof bin ich nur, dass ich den modernen Fußball nicht verstehe. Beschließe, Betriebswirt zu werden. Oder Pedant.
3. Szene
(Kneipe, Tresen, viele Menschen stehen geduldig an.)
Bestelle Bier. Trinke Bier. Glas. Gezapft. Schaum. Perlt. Wirt guckt nicht. Schmeiße Glas um. Bruch. Wirt guckt. Wirt lacht. Wirt wischt. Wirt stellt neues Bier hin. Zahle 3,20 Euro. Will gehen. Will bleiben. Wie viel habe ich im Portemonnaie? Gucke rein und zähle. 4,70 Euro. Reicht für noch ein Bier.
Habe HCC vergessen. Arena vergessen. Spielstand nicht. Vorerst.
Erstellt am: 2. November 2010
Aktualisiert am 2. November 2010


jürgen schrieb am 4. November 2010 um 16:51
Kommen Sie mal mit, sie stören den Ablauf…
darf man jetzt sagen “tolle Geschichte”…
Aus welchen fragwürdigen Grund hat man denn die Bezahlcard eingeführt, vielleicht damit der Kunde schneller bedient wird. Ok, da ist man wirklich ganz schnell bedient.
Gegen den modernen Fußball!
Ein Schlechtfan