Offizieller Neujahrsempfang

gegessen im Cafe Marienhöhe auf Norderney

Wollten wir letztes Jahr das vorletzte Jahr noch so schnell wie nur irgend möglich hinter uns lassen, sieht das dieses Jahr mit dem letzten Jahr schon ein wenig anders aus. Deshalb lohnt sich doch ein Rückblick auf das letzte Jahr, zumindest auf die zweite Jahreshälfte.

Los geht es mit einem Ende. Dem Aus der deutschen Fußball-Internationalmannschaft im Halbfinale gegen…. habe ich vergessen. Irgendein Staatsanleihen-Hochzins-Land halt – uns erst verpfeifen, uns dann aus dem Turnier rumpeln und uns schließlich noch um Staatshilfen bitten. Doch wir trugen nicht nach und kamen schnell zu etwas ganz anderem: Hannover96. Hier boten wir der trauernden Fan-Gemeinde ein neues Zuhause an.

…für die vielen neuen, jungen, weiblichen Fußball-Fans, die weinend nach dem Public-Viewing ihr neues zu Hause bei Hannover 96 finden werden und aus therapeutischer Sicht auch finden sollten. Hier könnt ihr das Leiden lernen. Da tut eine Niederlage der Fußball-Internationalmannschaft im Halbfinale auch gar nicht mehr so weh. Das lernt man schnell, als Fan von Hannover 96…

Doch es sollte anders kommen. Auch wenn die Furcht vor einer Wie-Immer-Saison da war. Besungen in einem Rudigramm.

Bereits im Juli, also lange bevor die USA in Erklärungsnot geriet, wurden auf Wikileaks geheime Dokumente der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co KG aA veröffentlicht. Immerhin führte dieses dazu, dass von dem Maßnahmen-Katalog (Deckname: Tradition) nur die weinroten Trikots umgesetzt wurden, an die man sich inzwischen auch schon gewöhnt hat, oder nicht? Weinrot sehen Sieger aus.

Doch nicht von Anfang an. Das knappe Aus gegen die hochfavorisierten Elversberger im DFB-Pokal und die Warnung an die Kinder vor dem Lebensfehler der Eltern, führte doch zu der Erkenntnis: Jetzt kann man sich voll und „högscht“ auf die Liga konzentrieren.

In der ersten Spielminute der neuen Saison wusste man: das ist immer noch Hannover 96, das ist unser Verein der da spielt. Der große Hoffnungsträger Carlitos verletzte sich in der ersten Minute am Kreuzband und fällt bis zur Rückrunde aus. Da schienen sie wieder zu sein, die drei Sorgen des Philipp Rösler: FDP, katholische Kirche und Hannover 96. Letzteres sollte keine Sorge bleiben. Nicht einmal ertränken konnte man sich die restlichen Sorgen, denn Bier ist uns fortan zu teuer in der Arena.

Doch es bedurfte gar keiner legalen Drogen zum Berauschen. Für den Rausch sorgten schon die weinroten Fußballer – angeführt vom Gleichnamigen.  Siege gegen Frankfurt, Schalke (wusste ich schon vorher), Immensen oder Werder Bremen, die zu diesem Zeitpunkt die neue Machtverteilung im Norden nicht anerkennen wollten:

Bei allem Respekt vor dem Gegner: In Hannover darf man nicht verlieren,…

O-Ton HB-Männchen Klaus Allofs – tat er aber doch, unter anderen Niederlagen.

Kurz ins Stolpern kamen die Roten, Detuscher-Vize-Twitter-Follower-Meister, gegen den Deutschen-Twitter-Follower-Meister FC. St.Pauli. Und gegen die Roten. Gegen die Roten? Ja, so nennen die Münchner wohl auch die Bayern. Unverschämt. Unverschämt war auch wieder die Niederlage in Hoffenheim. Was so ungefähr das Schlimmste ist, was einem im Fußball passieren kann: Verlieren gegen Hoffenheim. Oder auch Sinnsheim, wobei einem der Sinn bei der Melange Hoffenheim und Bundesliga nicht einleuchten mag.

Von Hoffenheim zum modernen Fußball, abseits der 50+1, ist kein weiter Gedankensprung. Aus Sicht der Fußball veranstaltenden GmbHs & Co KG aAs ist das natürlich alles nur im Interesse und zum Wohle der Fans: Pausenunterhaltung, KG aA vs. e.V., Sonntagsspiele (Am Sonntag gehört Papi mir) oder aber das totale Drama an der Leergutannahme.

Letzteres führte auch zum gigantischsten Anti-Pfand-Plastikbecher-Pfand-Groschen-Flash-Mob (LMAA – Lasse-Mir-Alles-Auszahlen) in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Dieser Mob zeigte seine nationale und internationale Wirkung: er führte den Euro in die Krise (Irland und Griechenland mussten gestützt werden), Jens Nonnenmacher muss mit Millionen abgefunden werden, Ungarn schränkt die Pressefreiheit ein, es fiel viel Schnee, Weichen froren ein und die Krake Paul starb.

Bilanz des Mobs: es nahm eine Person teil. Aufgerundet, denn die Schlange am Arena-Card-Auflade-Häuschen war mir dann doch zu lang…

Gegen den kleinen HSV war es dann so weit: Mike Hanke war wieder da! Er traf zum 3:2, bekam seinen Platz in der 96-Walhalla, war trotzdem mit der Gesamtsituation nicht zufrieden und geht als Retter nach Gladbach, wo er weiterhin was mit der FDP gemein hat (Siehe obige Kurvendiskussion <- da war er ja auch oft das Thema). Noch was passiert? Ach ja. Damarcus Beasley präsentiert seine Schmuckkollektion. Noch was passiert? Richtig. 96 überholt Braunschweig in der ewigen Bundesliga-Tabelle. Jetzt könnte man ja eigentlich das Fußballspielen einstellen oder die Vereinsfarben ändern

Hanke geht, weil es Zeit ist, 96 ist gekommen, um zu bleiben. In Europa! Das wäre wie Himbeer-Kuchen mit Sahne.

Das neue Jahr ’11 kann ja nur ein Fußballjahr werden. Trotz Frauen-WM.

Erstellt am: 10. Januar 2011
Aktualisiert am 10. Januar 2011

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