Slomkas Theaterstadl

Kekse, Brille, Kekse weg

Lachen macht das Leben schön. Deshalb sollten wir Fans des Hannoverschen Sport-Vereins mit einem eingemeißelten Grinsen im Gesicht durch die meist unterschätze Weltstadt der Welt laufen und uns immer wieder des Anblicks der Bundesliga-Tabelle erfreuen. Aus der Momentaufnahme ist inzwischen schon eine Mooooooooment-Aufnahme geworden. Und selbst die Berichterstatter Fußball-Deutschlands erkennen dieses an: das kann nicht nur Zufall sein, das hat mit Fußball zu tun.

Gut, ab und an erinnert man sich an die Situation im Keller der Bundesliga im letzten Frühjahr, damals mit Schneckenrennen betitelt (Man darf sich doch auch mal selbst zitieren). Doch wenn keiner – außer Dortmund – so richtig will, warum nicht wir? Beste Hinrunde, höchste Platzierung jemals zu diesem Zeitpunkt, verdammt Effektiv, auf Europa-Kurs, drei Mal in Folge die Seitenwahl gewonnen und so weiter. Doch dann folgte so etwas wie die Meuterei auf der Gorch Fock.

Wenn man keine Probleme hat, dann macht man sich welche, dachte sich die Herren Slomka, Kind, Arslan und Schmadtke. Damit meine ich nicht den Luxus, sich den Torwart aussuchen zu dürfen. Nein, es geht um richtige Männerprobleme. Nicht nächtlichen Harndrang, sondern der Drang nach Geltung und Bestätigung. Manifestiert in einem Vertrag. Die Einen (Ba und Ruud) zeigen zwar gerade, dass Verträge nicht das Vereinslogo Wert sind, das geküsst wurde, beim Aushandeln dieser jedoch jeder Punkt geklärt sein muss.

Allerdings geht es wohl nicht nur um Geld allein, sondern auch um Geltung. Und das wohl nicht nur im geschriebenen Wort des Vertrags, sondern auch im Drumherum. Zum Beispiel in der Form von entsprechender Wertschätzung.

Das muss man sich dann so vorstellen: Kind (Präsident) und Schmadtke (Manager) auf der einen Seite und Arslan (B-Rater) und Slomka (A-Lizenz-Trainer) auf der anderen Seite treffen sich im Seminarraum Acatenango (Kind ist ja auch ein Pferderennsportfan) der KIND Hörgeräte in Großburgwedel. Eigentlich sind die Vertragsdetails ja vorher schon geklärt und es geht nur noch pro forma um die Unterschrift. Die Vier nehmen Platz. Für Slomka ist extra der Fensterplatz vorgesehen. Es darf nichts mehr schiefgehen.

Den Vertrag ausgearbeitet hat Rechtsanwalt Götz von F. unter Fußball-fachlicher Mithilfe von Dieter S., Korrektur gelesen hat ihn Bundeskanzler a.D. Gerhard S., Finanzberater Carsten M. hat das handgeschöpfte Papier für den Druck gesponsert und den Vertrag sicher nach Großburgwedel gebracht hat Kiezgröße und Sicherheitschef Frank H. Das viele Geld steuerfrei für die Zukunft anlegen wird der Berater für alle Lebenslagen Bert R. Eingefädelt wurde alles bei Rotwein, Cohiba, Kicker und Musik von Klaus M. in einem Keller in Hannovers Zoo-Viertel (beste Wohnlage).

Schmadtke trinkt einen Milchkaffee mit viel fettarmer, laktosefreier Milch und koffeinfrei; Kind einen Filterkaffee mit genau zwei Löffeln Zucker gerührt und natürlich gekrönt; Arslan einen kochend heiß und direkt in der Tasse aufgegossen Mokka in dem der Löffel von alleine steht, Slomka einen ökologisch angebauten, voll abbaubaren, von einbeinigen blinden Waisenkindern handgepflückten und fair gehandelten Latte Macchiato aus dem Nordosten des Kongos. Dazu trinken alle Wasser, natriumarm.

Slomka nimmt einen Schluck seiner Latte und hat sich den Milchschaum noch nicht von der Nase gewischt, da nimmt das Scheitern seinen Lauf: Schmadtke hat sich, wie einst als Torwart einer Katze gleich, mit gezieltem Griff beide Schokoladen-Täfelchen der bei solchen Sitzungen üblichen Bahlsen Keksmischung „Selection“ geangelt und ohne zögern, eine in die linke und eine in die rechte Backentasche geschoben.

Slomka erklärt unverzüglich die Gespräche für vorerst. Vertagt sich und den Vertrag, verlässt den Seminarraum Acatenango im Galopp und fährt direkt zu seinem Lieblings-Italiener in der Marienstraße.

Ein bisschen mehr Achtung ihm und den anderen Teilnehmern der Verhandlungen gegenüber hätte er sich gewünscht.

(nicht bestätigtes Zitat)

Ich finde zu Recht. Man kann doch mal Fragen: Noch jemand ein Täfelchen? Aber diese Grundlagen der guten Erziehung hatten in den späten 60er Jahren in den links-liberalen Mileus Düsseldorfs keinen Platz. Aber woher sollte Schmadtke wissen, dass Slomka noch heute häufig in der Nacht aufwacht, schweißgebadet, weil er davon alpträumte wie ihm Mirja B. einst im Sandkasten der Hildesheimer Vorstadt das Schäufelchen weg nahm? Die beiden reden ja nur beruflich miteinander.

So war es und nicht anders. Unterschrieben wird der Vertrag erst, wenn Schmadtke verspricht, nie wieder die Bahlsen-Selection-Schoko-Täfelchen zu verspeisen. Vertraglich fixiert.

Zum Abschluss noch ein Lesetipp: Fegefeuer der Eitelkeiten von Tom Wolfe. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen zu 50% an Wikipedia und zu 50% an die Freischreiber.

Erstellt am: 21. Januar 2011
Aktualisiert am 21. Januar 2011

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen

  • Nach Kategorien

  • Nach Monat